Aus Leidenschaft zum Holz
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Presse

 

Stellmacher in Burgtonna hat sich auf Holzkarosseriebau spezialisiert

UWE

Aus gedämpfter Buche fertigt Stellmacher Uwe Thiede jedes Teil einzeln für die Holzkarosserien, hier ein Dixi.
In seiner Werkstatt wird Fahrzeugbaugeschichte im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufgemöbelt. Foto: Jens König

Uwe Thiede blickt auf innere Werte. Denn was da in seine Werkstatt in der Geilingsgasse geschoben wird, sieht runtergekommen aus.

Burgtonna. Er zeigt auf einen P 70. Die holzgefüllten Türen des in den 1950er-Jahren in Zwickau gebauten Kombis lehnen an der Wand. Vier schmale Räder tragen einen Holzboden. „Kompletter Neuaufbau!“, sagt er.

Denn Obacht. Wenn der 52-Jährige mit diesem Auto oder mit den Vorkriegsmodellen von DKW, Mercedes oder Opel fertig ist, dann sind die alten Autos nicht nur Schmuckstücke, sondern auch kapitale Wertstücke. Vorkriegskarossen sind seine Spezialität. Wie zum Beweis zieht Uwe Thiede die Decke von einem DKW F5 (Baujahr 1934). Dahinter ein DKW F8 von 1938, den er für einen Kunden aus dem Westfälischen aufmöbeln wird.

Uwe Thiede ist Stellmacher und gehört damit zu einem ganz seltenen Handwerk in Deutschland. In seiner Stellmacherei in Burgtonna hat er sich auf den Holzkarosseriebau spezialisiert. Von Großvater und Vater lernte er das Handwerk und eröffnete 2005 den traditionsreichen Familienbetrieb wieder. Mittlerweile gibt es so viel Arbeit, dass bis zu anderthalb Jahre Wartezeit drin sind. Ab Februar nimmt er sich deshalb einen Gesellen dazu.

Ganz klassische Stellmacherarbeit hat Uwe Thiede mit einem Holzfahrrad, das ihm ein Kunde aus Pirna vorbeibrachte. Er schätzt, es stammt aus der Zeit nach 1800. Die Holzräder haben Eisenreifen. Denn was im Norden Stellmacher heißt, wird südlich des Weißwurstäquators Wagner genannt.

 

Die meisten Kunden kommen aus Sachsen, erzählt er. Sachsen, das ist für Uwe Thiede die Wiege des Automobils in Deutschland. In Stuttgart mögen sie das Auto erfunden haben, zum Laufen habe man es in Zwickau gebracht.

Inzwischen kommen selbst Kunden aus dem Ausland zu ihm. Zuletzt hatte er Anfragen aus Rumänien. Sie alle finden über die Internetseite zu Thiede nach Burgtonna.

„Man muss mit ganzer Liebe drangehen, sonst wird das nichts“, beschreibt der 52-Jährige seine Motivation. Kein Wunder, dass er selbst einen Oldtimer fährt. Einen Citroën von 1928, ein offener Tourenwagen.

 

Quelle:

Frank Börner / 21.01.12 / TA

Z82C1KN110096

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